Postone in Frankfurt – ein Bericht mit Zusammenfassung

Nachdem Moishe Postone nicht, wie zunächst angekündigt, auf dem vom „…ums-Ganze!“-Bündnis organisierte „No way out..?“-Kongress vorstellig wurde; gab es am 9. Februar nun einen von der Autonomen Antifa [f] organisierten Vortrag mit ihm. Der Titel dieses Vortrags, der im Festsaal des Studierendenhauses der Uni in Frankfurt-Bockenheim stattfand, lautete: „Aspekte der Wertkritik: Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft. Eine neue Interpretation der kritischen Theorie von Marx“.
Seinen Vortrag hielt Postone in englischer Sprache und Norbert Trenkle von der Zeitschrift „krisis“ übersetzt ad hoc vom englischen Manuskript Absatz für Absatz. Diese Vorgehensweise: Absatz für Absatz und zweisprachig; wirkte sich leider etwas negativ auf die Nachverfolgung des Gedankenfluss aus und war entsprechend zeitintensiv. Erschwerend kam hinzu, dass die Mikrofonanlage Probleme machte und so ein beträchtlicher Teil des Vortrages begeleitet war durch verschiedene, technisch verursachten Geräusche, durch die stellenweise das Gesprochene akustisch nur schwer verständlich war; erst spät gelang es, diese technischen Probleme in den Griff zu bekommen und letztendlich zu beseitigen.
Zu Beginn seines Vortrags stellte Postone die Bedeutung der Marxschen Kategorien für die Formulierung einer Theorie der Gesellschaft heraus.
Im Folge seines Vortrages macht er deutlich, dass bisher im Herz der Marxschen Kategorien des Kapitals stets der Mehrwert stand, dass diese aber eine zu einseitige Betrachtung darstelle, da dadurch der Wert nicht zu Genüge in den Blick genommen wurde.
Für Postone sind Ware und Wert Grundlagen der Analyse; sie sind als historisch-spezifische Kategorien zu verstehen, die die kapitalistische Gesellschaft charakterisieren und die das Funktionieren dieser letztendlich begreifbar machen; denn sie sind die fundamentale Form der gesellschaftlichen Beziehungen, – die Ware ist die grundlegende Strukturierung des Ganzen.
Die Warenförmigkeit wird konstituiert durch die Arbeit, welche im Kapitalismus einen Doppelcharakter innehat: konkrete Arbeit und abstrakte Arbeit. Die abstrakte Arbeit ist als eine historisch-spezifische Kategorie zu begreifen, die eine neue quasi-objektive Form der Abhängigkeit schafft; die Arbeitsprodukte treten an die Stelle von gesellschaftlichen Beziehungen.
Der Wert, als vorherrschende Form des Reichtums im Kapitalismus, konstituiert sich durch die Verausgabung menschlicher Arbeitszeit. Die Form von Herrschaft, die dadurch dem Kapitalismus innewohnt, ist die Beherrschung des Menschen durch Zeit. Egal auf welcher Entwicklungsstufe der Produktivität (auf dessen Erhöhung das Kapital beständig drängt) ist die Arbeit zentral für den Prozess der Produktion.
Auch der so genannte real existierende Realsozialismus stellte somit eine alternative Form der Kapitalakkumulation dar.
Gegen Ende seines Vortrages hob Postone heraus, dass ohne adäquate Analyse des Kapitalismus, die auch die Krise erklären kann, die Linke das politische Feld der Rechten überlassen wird.
Im Anschluss an den Vortrag, gab es Raum für Fragen und Diskussion, in der dann (neben anderen Anmerkungen und Fragen) unweigerlich von Seiten der Veranstalter die Fragestellung nach der (richtigen) Praxis und Einmischung ins Felde geführt wurde. Postones Antwort darauf war ambivalent, jedoch stellte er heraus, dass die gegenwärtige Zeit keine vorrevolutionäre Situation darstellt, die Frage der Aufhebung sei daher zu früh und stelle sich derzeit nicht unmittelbar.

Weiterführende Literatur von Postone:
„Zeit, Arbeit und gesellschaftliche Herrschaft“ und „Deutschland, die Linke und der Holocaust“ (darin enthalten, die aktuellste Version seines bekannten Textes „Antisemitismus und Nationalsozialismus“, der jedoch auch hier zur Verfügung steht).


2 Antworten auf “Postone in Frankfurt – ein Bericht mit Zusammenfassung”


  1. 1 narodnik 11. Februar 2008 um 0:52 Uhr

    Ich muß sein Buch mal lesen. Nur vermute ich daß der Postone in den 1970ern schonmal schlauer war – denn da hat der die Klassentheorie noch nicht gecancelt.

  2. 2 Edward Gran 11. Februar 2008 um 13:18 Uhr

    Ob darin nicht gerade seine Stärke liegt….

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